Podcast zum Film Fjörd Lines: „Freeriden ist noch ein neuer Sport in Island“

Rúnar Ptur kommt aus Neskaupstaður, einem größeren Fischerdorf im Osten Islands. Dort gibt es nur fünf aktive Freerider, dafür aber unzählige unberührte Faces und sogar ein eigenes Skigebiet mit Namen Oddskarði. In Folge 18 des FFF-Podcasts #offpisteonair erzählt der Snowboarder gemeinsam mit Filmemacher Vidir Björnsson über seine Heimat, seinen Style und seinen Job in der Fischerei, um im Winter in den Alpen in seinem Van leben zu können.

Filmemacher Vidir Björnsson und Snowboarder Rúnar Pétur zeigen uns Island von der Powderseite. Foto: Vidir Björnsson

Mit „Fjörd Lines“ haben die beiden einen bezaubernden Film über die Top-Spots vor Rúnars Haustür gemacht. „Freeriden ist noch ein neuer Sport in Island“, erzählt Vidir. „Als wir einigen Leuten den Film gezeigt haben, hat es sie richtig umgehauen. Die Leute erkennen immer mehr, welches Freeride-Paradies sie vor ihrer Haustüre haben und dass sie dafür nicht weit reisen müssen gerade auch im Zusammenhang mit Corona.“

Im Podcast geht es aber nicht nur ums Freeriden, sondern auch um die Auswirkungen des Klimawandels und wie wir alle einen Beitrag leisten können. Hört euch das Gespräch mit den beiden sympathischen Kerlen unbedingt an hier ein paar schriftliche Häppchen als Aperitif.


Rúnar und Vidir über ...


… über die zweite gemeinsamen Produktion nach „Volcano Lines“ (2019):

Rúnar: Es war leichter diesmal, weil wir uns schon kannten. Bei Volcano Lines hatten wir keinen echten Plan. Wir haben einfach etwas gemacht. Diesmal wussten wir genau, an welchen Spots wir filmen wollten.

Vidir: Ja, für diesen Film hatten wir ein Konzept, bevor wir zu filmen begannen. Wir wussten, dass wir an den Fjords shooten werden - immer mit Blick aufs Meer. Dann haben wir ein paar Locations herausgepickt und sind mehr oder weniger dem Wetter gefolgt.


… das Wetter in Island:

Rúnar: Wir haben Anfang März mit dem Dreh begonnen. Das Wetter war sehr tricky zu der Zeit. Wir wollten im Norden Islands starten. Und ich bin dann dort im Van festgesessen. Die Crew war am Weg von Reykjavik zu mir und ist in einen argen Sturm gekommen.

Vidir: Genau, wir haben es gerade einmal so geschafft zu Rúnar für den ersten Dreh. Wir sind am Weg einmal nicht weitergekommen, weil die Straßen gesperrt waren. Und an der Location selbst sind wir dann eine Woche festgehangen. Eigentlich wollten wir dort gar nicht drehen, aber es sind einige Szenen entstanden: der ganze Urban Part, wo Rúnar auf den Straßen fährt, und auch der Surf Part.

Rúnar und sein heimischer Schnee – feiner geht's kaum. Foto: Vidir Björnsson

… die Schneebedingungen in Island:

Rúnar: Der Schnee wird durch den Wind viel mehr verdichtet. Dadurch bleibt er auch länger liegen. Mein Lieblingsschnee ist der Slush im späten Frühling, wenn ich beim Fahren so ein „surfy feeling“ habe. Aber wir haben keinen tiefen Powder wie in Japan oder Österreich - so etwas passiert nur alle paar Jahre.

… seinen Riding Style:

Rúnar: Der Schnee ist normalerweise wirklich sehr smooth. Und es gibt viel Platz für die Turns, weil es keine Bäume gibt. Es ist alles sehr offen in Island. Ich mag das und konzentriere mich stark auf die Turns. Ich fahre mit den Boards von Korua und dort dreht sich viel um Turns und Carving. Und das funktioniert wirklich super.

… die Spots im Film:

Rúnar: Das ist im Osten Islands rund um meine Heimatstadt. Viele Leute arbeiten in der Fisch-Industrie. Es gibt auch ein kleines Skigebiet dort, nur 10 Minuten entfernt. Voll basic, aber sehr nice.

Vidir: Als ich bei Rúnar war und wir ins Skigebiet gefahren sind, war ich wirklich überrascht, wie gut es dort ist. Es ist viel besser als die Gebiete rund um Reykjavik. Leider war das Gebiet zu der Zeit wegen des Wetters nicht offen, aber wir sind dort viel gehiket und es war echt fein.


… über noch nicht gefilmte Lines:

Vidir: Rúnar hat oft zu viele Lines im Kopf, die er fahren will. Da muss ich ihn beim Filmen manchmal stoppen und sagen: „Hey, jetzt machen wir einmal das und das andere beim nächsten Film.“ (lacht) Es gibt schon diese Momente beim Dreh, wo ich mir denke: „Das ist so viel Material. Das dauert Wochen, bis ich das gesichtet habe.“

Dank seines Jobs in der Fischerei kann Rúnar den Winter in den Alpen verbringen. Foto: Vidir Björnsson

… über die Erfahrungen in den Alpen:

Rúnar: Ich habe dort letzten Winter in meinem Van gelebt und bin ein paar Qualifier für die Freeride World Tour gefahren. Hauptsächlich war ich in Tirol und ein bisschen in der Schweiz. Das Ziel waren so viele Schneetage wie möglich. Oh Mann, ihr habt wirklich eine Menge Skilifte. Und die Schnee- und Wetterbedingungen sind einfach stabiler als in Island.

Vidir: Ich war im Jänner auch das erste Mal bei euch in den Alpen. Vorher war ich nur in Island snowboarden. Es ist so groß bei euch, allein schon die Berge. Und es steckt eine richtige Industrie dahinter.

… den Klimawandel:

Vidir: Bei den Gletschern sieht man es mit eigenen Augen. Ich filme einen Gletscher und wenn ich im nächsten Jahr wiederkomme, ist er so stark geschmolzen. Das ist verrückt. Das schnürt einem die Luft ab. Wir haben den ersten Gletscher, der komplett geschmolzen ist. Das passierte erst vor ein paar Monaten. Den gibt es nicht mehr. Ein anderer großer Gletscher wird im Jahr 2050 weg sein einfach so. Das macht mich schon sehr betroffen.


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Fjörd Lines läuft auf allen Stopps des FFF 2020 Tickets und Termine hier.

Allein der Sneak Peek zum Film ist schon absolut sehenswert.

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