Podcast mit Manu Mandl und Flo Gassner

Das Setting für unseren Podcast offpisteonair hätte kaum idyllischer sein können. In der Folge 02 geht es um den Film „Ruhe nach dem Sturm“. Wir sitzen am Tisch eines Fünfbettzimmers der Krefelder Hütte auf 2.300 Metern, die auf gut halbem Weg auf das Kitzsteinhorn liegt. Durch das gekippte Fenster sind immer wieder blökende Schafe zu hören. Es ist Ende Juli und wir befinden uns beim mittlerweile legendären FFF-Kick-Off-Event a.k.a. Hüttengaudi. Zu Gast vor dem Mikro sind Manu Mandl und Flo Gassner.


Die beiden haben sich mit drei weiteren Ridern ihrer Crew Mountain Tribe vergangenen Winter einen Minimalismus-Roadtrip bei meterhohem Powder gegeben. In zwei Camper-Vans stahlen sie sich um die hektische Weihnachtszeit davon – nicht ohne sich vorher Tastehnhandys zu schenken, denn auf der Tour herrschte kompletter Smartphone- und Internetverzicht.

1000 Meter unterhalb des Gipfelkreuzes am Kitzsteinhorn haben wir mit Flo und Manu gequatscht. (Credit: Joe Hölzl)

Lassen wir nun aber Manu, die 2018 auf dem Snowboard die Freeride World Tour gewonnen hat, und den jungen Münchner Flo doch selbst erzählen – weil das können die beiden richtig gut. Hier ein paar (Under-)Statements der beiden zu ausgesuchten Themen:


Über den WM-Titel

Manu: „Aus irgendwelchen Gründen bin ich eine so gute Snowboarderin geworden bin, dass ich auf der World Tour fahre und 2018 das ganze Ding gewonnen hab. Das heißt, i bin `Wödmasta´. Es ist ein witziges Gefühl, weil ich mach immer noch das, was ich immer gemacht habe, nämlich Snowboarden.“


Über Manu als einzige Snowboarderin

Manu: „Ich bin ja auch Skifahrerin und hab wesentlich mehr skifahrende als snowboardende Freunde. Aber es ist wurscht, weil im Endeffekt hat man gemeinsam Spaß am Berg.“

Flo: „Ich glaub ja, dass die Manu deswegen bei uns mitfährt, weil sie wen braucht, der sie bei Flachstücken zieht.“ Und dann kurz im Ernst: „Sie löst die Situationen, die fürs Snowboarden schwierig sind, sehr gut. Da haben wir keine Probleme mit ihr gehabt. Für eine Snowboarderin schlägt sie sich wirklich gut.“

Manu: „Ich bin gewohnt, dass ich mit gemischten Gruppen unterwegs bin. Daher ist es eigentlich kein Problem. Klar, manchmal muss man als Snowboarderin blöderweise reinbeißen und Tiefschneejoggen gehen. Das ist aber okay, weil wir haben ja das viel schönere Gefühl beim Turn – immer noch, obwohl die Ski mittlerweile super sind. Ich find auch meine Powder-Latten saugeil, aber am Board ist halt immer noch …“


Über Mountain Tribe

Manu: „Es war diese glückliche Situation, dass ich gleichzeitig mit der restlichen Crew von Mountain Tribe in Innsbruck angekommen bin. Ich hab jetzt erst die zweite Saison in Innsbruck verbracht. Daher hat sich das so ergeben, dass wir gemeinsam unterwegs waren.

Flo: „Ich bin ja eigentlich in München. Aber im Winter leb ich auf der Couch von Vali Werner-Tutschku, der auch viel von dem ganzen Projekt managt und Mitproduzent des Films ist.“


Über den Film

Manu: „Er fängt in der Weihnachstzeit an und wir versuchen, unser Leben wirklich zu vereinfachen und uns auf uns selber zu fokussieren.“

Flo: „Wir waren 8 Leute – 5 Rider, 1 Filmer, 1 Fotograf und 1 Race-Drohnen-Pilot – in 2 Camper-Vans unterwegs und wollten in dieses einfache Leben eintauchen. Der Film fängt zu Weihnachten an, wo sich die Leute immer teure Geschenke kaufen. Wir haben das anders gemacht. Wir sind am Tag nach Weihnachten losgefahren und haben uns alte Tastenhandys geschenkt.“


Über den Simple-Life-Effekt

Manu: „Es ging ums Rausfinden, was ist uns wirklich wichtig und was macht das mit uns, dass wir mit so simplen Möglichkeiten und ohne ganz viele Dinge auskommen. Und was sind die Vorteile, wenn man sich aus dem Trubel zurückzieht und nicht einkaufen geht oder was auch immer.“

Flo: „Man nimmt die kleinen Dinge viel mehr wahr. Man nimmt auch die gemeinsame Zeit viel mehr wahr: ob das beim Kartenspielen ist oder beim gemeinsamen Essen oder bei den Gesprächen, die man führt. Man merkt einfach, wie wertvoll die Zeit ist, die man gemeinsam verbringt.“


Über die tiefere Erkenntnis

Manu: „Es darum, Strategien zu finden, wie man ein zufriedenes Leben führt und herausfindet, was einen glücklich macht. Und wie man das erreichen will. Und ob es dafür viele Ressourcen braucht. Ich habe ganz oft das Gefühl, in unserer Gesellschaft herrscht so ein langfristiges Daraufhinarbeiten auf was ganz Abstraktes, was man vielleicht gar nicht braucht, aber unbedingt haben will. Dafür stellen ganz viele Menschen die eigene Gegenwart hint an – und warten, und warten, und warten auf irgendwas, von dem sie gar nicht wissen, was es sein soll. Genau da braucht es einen Prozess in einer Gesellschaft, damit man weiß, was einem wichtig ist – und natürlich ohne, dass man irgendjemandem dabei wehtut. Sondern auf die Art: `Ich mach mich glücklich und vielleicht wird dadurch auch wer anderer glücklich.´ Vielleicht können wir so ein lebenswertes Leben für eine gute Gesellschaft zustande bringen und andere inspirieren – bei uns sind das halt die Berge, die uns glücklich machen.“

Flo: „Ich glaub, dass man das, was man gerade macht und einem wichtig ist, erlebt und spürt und auch dankbar dafür ist. Sozusagen, dass man es `sieht´, was einem wichtig ist, wenn man zum Beispiel einmal Social Media eine Zeitlang weglässt. Und dann lebt man im Moment und denkt nicht, was man alles haben könnte, sondern sagt sich: `Jetzt haben wir das vor unseren Augen, das ist relevant und das taugt mir.´ Da muss man aber auch die Zeit dafür finden, dankbar zu sein.“


Hier geht’s zur Übersichtsseite unserer Podcasts, dort Folge 02 anwählen und anhören.

Triff Manu und Flo, der heuer FFF-Tourfotograf ist, bei einem Stopp in deiner Stadt.

Ebenfalls äußerst unterhaltsam ist unsere FFF-Filmgeschichte über „Ruhe nach dem Sturm“.

Weitere Infos zum Film auf der FFF-Seite zu „Ruhe nach dem Sturm“.

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