Podcast mit Laurent De Martin und Titouan Bessire: Über Stuhlgänge im Backcountry & Spaß im Backyard

So bildlich vorstellbar wie der Einstieg in diesen Podcast war bisher noch keiner. Die Diskussion dreht sich nämlich um eines der elementarsten Bedürfnisse der Menschheit. Die Ausscheidung jener Lebensmittel, die uns Kraft für Aufstiege, Abfahrten und arge Abflugmanöver im Schnee spenden (okay, das Letztere gilt nur für eine kleinere Gruppe von uns).

Sehr lustig war der Podcast mit Laurent (li.) und Titouan. Behandelt wurden aber auch sehr ernste Themen. Foto: Miriam Joanna

Street, Park und Backcountry vor der Haustür

Aber dieser weltumspannende Aspekt ist beileibe nicht das Einzige, das Laurent und sein kongeniales Alter-Ego hinter der Kamera, Titouan Bessire, begeistert und verbindet. Die beiden haben schon einige Projekte gemeinsam absolviert. Das jetzige ist aber mit Abstand das atmosphärischeste, stimmigste und familiärste, denn mit ihrer Produktion „From Switzerland with Love by Region Dents du Midi“ haben sie gleich vier Schmeißfliegen mit einer Filmklappe erschlagen.


Erstens konnten sie damit den eigenen Backyard erforschen, was Laurent sowieso schon immer mal wollte und Titouan nur recht war. Er wurde kurz davor Vater und wollte am Abend zu Hause sein, um seine Freundin zu unterstützen. Zweitens konnten sie drei Spielarten des freien Skifahrens und Snowboardens einbauen: Street, Park und Backcountry – weil sie genau wussten, wo das vor der Haustür am besten geht. Drittens kamen mehrere Freunde und internationale Rider zu Besuch. Und viertens war auch das Budget der Produktion überschaubar.

Ist schon ein schönes Stückchen Erde und Berge die Heimat von Laurent De Martin. Foto: Francois Marclay

Heimvorteil, Olympia-Karriere und Lawine

Neben diesen und vielen weiteren Themen erklären die beiden auch besonders ausführlich, wie bei den Dreharbeiten eine Lawine abging und warum sie diesen Part in den Film genommen haben. Darüber haben wir übrigens auch mit Ruedi Flück, dem Fotografen des Projekts, gesprochen – er war in Folge 16 zu Gast in unserem Podcast.


Hier ein paar ausgewählte Auszüge aus dem Gespräch mit Laurent und Titouan – der Podcast wurde auf Englisch geführt. Schaut euch bitte auch unseren feinen Sneak Peek zum Film an. Und nicht vergessen, Ticket für die FFF Worldwide Show am 17.12.2020 um 20 Uhr kaufen, wo der Film gezeigt wird und die beiden zumindest virtuell zu Gast sind.


Über Greta Thunberg, Klimawandel und Nachhaltigkeit

Laurent: Ich habe leicht reden, weil ich so viele Jahre in der Welt herumgereist bin. Aber als Skifahrer leben wir am und vom Schnee. Wenn es keinen Schnee mehr gibt, dann sie wir als Erste davon betroffen. Erst wenn wir uns also Schritt für Schritt ändern, dann können wir das auch von „normalen“ Leuten, die nicht so viel mit Schnee zu tun haben, erwarten.


Über das Skigebiet „Region Dents du Midi“

Laurent: Das ist der Schweizer Teil eines großen Ressorts, das bis nach Frankreich reicht und Porte de Soleil heißt. Insgesamt umfasst es 13 Skigebiete. Ich bin dort aufgewachsen und lebe schon mein ganzes Leben dort. Hier habe ich Skifahren gelernt und hier wohnen meine Freunde. Ich hab hier die Snowparks entdeckt und meine ersten Tricks ausprobiert.

Titouan: Skifahren gehört in dieser Region einfach zum Alltagsleben, auch wenn es in den vergangenen 10, 15 Jahren etwas weniger geworden ist. Aber du gehst in der Schule Skifahren, in deiner Freizeit, an den Wochenenden.

Das Gespräch führte Hannes Kropik beim FFF-Kick-Off auf der Langtalereckhütte oberhalb von Obergurgl im Ötztal. Foto: Miriam Joanna.

Über die Vorteile vor der eigenen Haustür

Titouan: Du kannst die Schneebedingungen und Wettervorhersagen über den ganzen Winter hinweg exakt verfolgen. Dadurch kannst du schneller und flexibler darauf reagieren.

Laurent: Genau, wenn du auf einen Trip unterwegs bist und nur zwei Wochen Zeit hast, geht das nicht. Du weißt nicht, wie die unterschiedlichen Schneeschichten sind und wie riskant es ist. Zuhause sehen wir ja den ganzen Winter, was passiert und wie oft es geschneit hat. Aber das Ganze hat auch eine negative Seite: Wenn zuhause kein Schnee ist, dann ist kein Schnee.

Titouan: Aber zuhause bist du viel effizienter und kannst viel besser planen, was du wann machst. Heute machen wir das, morgen das.

Laurent: Richtig, wenn die Schneebedingungen scheiße sind, bauen wir Jumps und sind vollkommen bereit, wenn die Bedingungen gut sind. Wir hatten vergangenen Winter nämlich weniger Tage mit wirklich guten Bedingungen.

Laurent kann so ziemlich alles mit den Skiern. Foto: Mélanie Braillard

Über die eigene Skikarriere:

Laurent: Meine Mutter geht noch heute jeden Tag Skifahren. Sie hat es gut, weil sie erst um 10 Uhr in die Arbeit muss. Sie ist immer um 8 Uhr auf den Pisten, wenn diese ganz frisch gespurt sind. Das war schon als Kind so, dass sie immer mit uns rausgegangen ist. Wir haben früh Skifahren gelernt, mein Bruder und meine Schwester auch. Später war ich dann im Swiss Freeski Team, das war so zwei Jahre vor den Olympischen Spielen 2014 in Sotchi, wo es erstmals einen Slopestyle Contest gab. Ich wollte eigentlich gar keine Wettkämpfe fahren, aber mein Vater hat mich wirklich gepusht damals. Ich hatte kein Geld und studierte noch. Da hat er gemeint: „Wenn du nicht Ski fährst, musst du arbeiten gehen.“ Also, hab ich das so gemacht. Leider konnte ich nicht zu Olympischen Spielen fahren, weil ich eine Gehirnerschütterung zwei Monate davor hatte und die Konkurrenz in der Schweiz zu groß war. Danach hab ich mich dann entschlossen, mehr im Powder unterwegs zu sein und nur mehr zu filmen.


Über Laurents Skikünste:

Titouan: Das ist eine der ganz großen Qualitäten von Laurent, dass er wirklich alles fahren kann: Slopestyle, Park, Powder. Darum wollten wir das unbedingt im Film zeigen und Laurent war der perfekte Typ dafür. Wir wollten die gesamten Möglichkeiten unserer Skiregion aufzeigen und mit den besten internationalen Ridern drehen, die wir finden konnten.

Laurent: Und mit den besten Locals natürlich auch.


Über die Lawine im Film:

Titouan: Es war unglaublich stressig. Einerseits willst du losrennen und sofort helfen. Andererseits musst du die Szene filmen, aber nicht weil du sie für den Film brauchst, sondern aus Sicherheitsgründen. Dadurch kannst du nämlich auf den Aufnahmen nachschauen, wo er liegt, falsch er verschüttet wurde. Es war wirklich stressig.

Laurent: Es war auch ein etwas brenzliger Tag. Wir hatten zwei Wochen lang guten Schnee und wir pushten es auch ein bisschen. Aber wir waren bereit dafür. Wir haben die Szene zusätzlich aus einer zweiten Perspektive von einem kleinen Hügel gefilmt. Dazu hatten wir noch drei, vier Freunde rund um den Spot, die nur da waren, uns zu helfen. In Summe waren wir zehn Leute. Wir hatten uns vorher auch auf diesem Spot abgeseilt und die Schneedecke abgeklopft und sie hat sich nicht bewegt. Mat (Schaer) ist dann einfach am falschen Punkt gelandet.

<Alles Weitere dazu hört ihr in diesem Podcast und eben auch bei jenem von Ruedi Flück>