Podcast mit Fotograf Ruedi Flück: "Telefone machen heute supergute Fotos"

Wenn man es genau betrachtet, ist ein Foto die Ursubstanz eines Films. Dass ein einziges Bild sogar mehr als tausend Worte sagen kann, ist auch bekannt. Worauf es beim Fotografieren wirklich ankommt, erzählt uns der Schweizer Fotograf Ruedi Flück in Folge 16 unseres Podcasts #offpisteonair.

Ruedi Flück im Gespräch mit FFF-Podcaster Hannes Kropik. Foto: Miriam Joanna

Ruedi zählt in der Freeride- und Outdoor-Szene – aber nicht nur dort – zu den herausragenden Vertretern seiner Zunft. So hat er etwa für den Headliner des FFF 2020 „From Switzerland With Love by Région Dents du Midi” den Auslöser bedient.

Was ihr übers Fotografieren wissen sollt


Im Gespräch mit Hannes Kropik berichtet der ehemalige Contest-Freeskier aber weniger von diesem Filmprojekt, denn dazu wird es eine eigene Podcast-Folge geben. Vielmehr plaudert er aus der Schule, was ein gutes Bild ausmacht, wie er die Entwicklung der Smartphone-Kameras sieht, welches Equipment er verwendet und was er passionierten Fotograf*innen empfehlen kann.

Ruedi, der eigentlich Meeresbiologe oder Militärpilot werden wollte, dokumentiert für uns aber schon eine Situation aus dem Film, als ein Lawinen-Abgang der gesamten Crew den Atem raubte. Hier ein paar Auszüge aus dem spannenden Talk.


Ruedi über …


… die Qualitäten eines guten Fotos:

Ein gutes Foto ist für mich extrem subjektiv. Gut ist, wenn es irgendeine Geschichte transportiert, eine Emotion weckt, jemanden zu irgendeinem Gedanken anregt. Das muss aber alles gar nicht sein – von mir aus dürfen gute Fotos einfach auch übersehen werden.

… einen Lawinenabgang bei einem Run von Mathieu Schaer im Film „From Switzerland With Love by Région Dents du Midi”:

Natürlich ist man in so einem Moment geschockt. Das ist schon extrem krass. Man beginnt, in einem Überlebensmodus zu funktionieren, auch wenn man nicht selbst betroffen ist. Und trotzdem beobachtet man, was passiert, wie weit geht es runter, ist er noch auf den Beinen, wird er überspült von den Schneemassen, wo ist das ungefähr, wie schnell komm ich da hin. Und trotzdem macht man auch noch Fotos. Man ist ein bisschen getrieben von den Eindrücken. Aber das geht so schnell, dass man gar nicht bewusst überlegt, was man jetzt machen müsste oder sollte oder könnte, und was das für Konsequenzen hat. Man schaut zuerst einmal zu und dann muss sich die Lawine eh erst beruhigen – und in dem Fall war es zum Glück so, dass wir niemanden bergen mussten.

Mathieu Shaer in Action, aber nicht in jener Szene, als die Lawine losgebrochen ist. Foto: Ruedi Flück

… die Situation bei dieser Lawine:

Wir haben vorher genau abgesprochen, wo er einen großen Turn machen soll im Gegenlicht. Er hat diesen Turn auch gemacht. Genau in dem Moment hat es um ihn rundherum angefangen zu reißen. Wahrscheinlich hat er genau in dem Moment den Widerstand vom Schnee verloren und auf den Modus umgeschaltet: „Ich muss möglichst auf den Beinen bleiben.“ Er hat das Brett gerade gestellt und ist runtergefahren. Und er hat es tatsächlich geschafft, auf den Beinen zu bleiben – was ein bisschen ein Rätsel für uns alle war.

… sein Risikomanagement bei der Arbeit:

Es gibt immer wieder Momente, wo man auf einer Gräte oder vor einem Abgrund steht und sich denkt, ich möchte noch etwas weiter rüber. Aber ich mach da ganz ehrlich auf sicher, als noch einen geileren Winkel zu haben. Das ergibt sich ganz automatisch. Als Mensch hat man in gewissen Situationen auch Angst und das ist nicht schlecht, wenn man das beibehält … Ich hab auch ein Stück weit Höhenangst. Ich bin zudem ein bisschen feingliedrig gebaut und mir wird schnell kalt. Ich muss mich bewegen, muss Nahrung zu mir nehmen, mich warmhalten. Man muss sich selbst gut kennen und das gut abschätzen können.

… die technologischen Entwicklungen des Fotografierens:

Ich hab das Gefühl, dass in den letzten Jahren nicht mehr so viel weitergegangen ist als durch den Schritt von der analogen zur digitalen Technologie. Durch die Digitalisierung hat eine extreme Demokratisierung des Kunstschaffens und des Handwerks Fotografie stattgefunden. Das heißt, es haben viel mehr Leute Zugang zu Material, das erschwinglich ist, aber supertolle Resultate liefert. Telefone machen heute supergute Fotos.

… ob Smartphone-Kameras eine gute oder eine schlechte Entwicklung sind:

Ich würd sagen, das ist eine Entwicklung – ob gut oder schlecht, kommt auf den Standpunkt an. Ich find’s aber eine gute Entwicklung, denn auch ich bin kein gelernter Fotograf. Ich bin Quereinsteiger und hab davon profitiert, Zugang zu einem Schaffen zu haben, das man sich davor sehr viel länger erarbeiten musste. Ich bin eigentlich froh, was alles passiert. Ich finde auch Fotos und Videos mit Telefonen interessant, weil es eine ganz genaue Sphäre eröffnet.


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