Podcast mit dem Tiroler und dem Piefke: „Es muss sich keiner aufführen wie Graf Koks“

Seit 2013 sind sie ein eingespieltes Skifilm-Team: Roman Rohrmoser aus dem Zillertal und Felix Wiemers aus Hessen. Gemeinsam bezwingen sie nicht nur puste-fluffiges Powder-Terrain, sondern setzen sich auch mit gesellschaftlichen Entwicklungen auseinander. In ihrem neuesten Projekt nehmen sie zum zweiten Mal die Hass-Liebe zwischen Österreichern und Deutschen aufs Korn.

Felix Wiemers und Roman Rohrmoser sind zwei überaus lustige Typen, die aber auch ordentlich Tiefgang haben. Unbedingt reinhören. Foto: Harry Putz

Für Folge 17 unseres Podcasts #offpisteonair fuhr FFF-Co-Organisator Harry Putz ins Zillertal und sprach mit den beiden Protagonisten über "Der Tiroler und sein Piefke 2". Herausgekommen ist ein super kurzweiliger Talk, in dem sich die beiden keine Hand vor den Mund nehmen: ob über das wahre Verhältnis zwischen Gast und Gastgeber, die tatsächlichen Auswirkungen des Tourismus, die gemeinsame Entwicklung vom ersten Kennenlernen bis zum "Filmstar" oder den derzeitigen Klassiker Corona.


Wir haben ein paar wenige Schmankerl aus dem Gespräch zusammengefasst. Mehr zum Film findet ihr im Podcast mit Regisseur Michael Bernshausen, in unserem Sneak Peek und auf der FFF-Filmseite.


Roman und Felix über ...


… den gemeinsamen Weg:

Roman: Das hat sich über die Jahre entwickelt, wir haben auch gemeinsame Sponsoren. Und Felix ist ja da bei uns mehr oder weniger aufgewachsen und hat hier das Skifahren gelernt oder ist zumindest schon ewig da. Angefangen hat es damals im Park, dort haben wir uns kennengelernt. Und Felix hat auch viel Zeit gehabt und wir waren eben viel gemeinsam unterwegs. Dann sind die ersten Filme gekommen und es sind immer wieder neue Ideen und Projekte entstanden.

… über das eingespielte Team:

Felix: Das Wichtigste ist, wenn man zusammen am Weg ist, dass man sich aufeinander verlassen kann. Ich bin mir beim Roman auch sicher, dass er die richtigen Ansagen macht, wenn ich noch oben steh und er steht unten und schaut auf einen Jump. Wenn er sagt „Das geht“, dann kann ich

Dass ein Piefke auch richtig fett Skifahren kann, beweist Felix Wiemers in diesem Film nicht zum ersten Mal. Foto: Michael Bernshausen

mich gut drauf verlassen, dass er mich ausnahmsweise einmal nicht verarscht grade. Oder wenn er sagt „Lass das aus, fahr lieber außen drum rum“, dann ist das auch eine Ansage. Und sowieso bei allen Sicherheitsaspekten am Berg.

… über den Tourismus im Zillertal:

Roman: Ich bin im Zillertal aufgewachsen und hab von klein auf dieses „Immer noch mehr, immer noch höher und weiter“ mitbekommen. Es ist bis heut kein Ende in Sicht. Es hat immer geheißen „Zimmerstopp und mehr Qualität“. Aber mittlerweile geht’s fast in die andere Richtung, man steht fast nur mehr im Stau.


… über die Idee zum Film:

Roman: Die Idee ist irgendwie auf der Hand gelegen. Der Felix ist ja nicht der klassische Urlauber, weil er ist schon lange hier, aber er ist trotzdem DER Piefke. Und ich bin DER Einheimische und da prallen halt Welten aufeinander - nicht nur im alltäglichen Leben, sondern auch im sprachlichen Kontext. Das war immer wieder mal schwierig für beide Seiten.

… das Piefke-Dasein:

Felix: Auf diese Problematik trifft man ja mehr oder weniger jeden Tag, zumindest ein bisschen. Aber man kann das nie pauschal sagen. Es gibt die herzensbesten Tiroler, die empfangen einen wirklich vom ganzen Herzen und mit offenen Armen. Wie überall gibt es aber auch Menschen, die sind ein bisschen eingeschränkter von ihrem Weltbild. Das ist ja nicht nur im Zillertal so. Als Zugereister kriegt man das schon immer wieder mal zu spüren. In der Regel kann man darüber lachen, aber es ist schon ein kleines Problem.

Roman Rohrmoser in einer Tiroler Paraderolle: dem Skilehrer mit Style, Charme und Stirnband. Foto: Michael Bernshausen

… das Verhalten der Touristen:

Felix: Klarerweise stehen aber auch die Gäste in der Verantwortung. Es muss sich ja keiner aufführen wie Graf Koks hier im Tal. Es ist auch wichtig, wie man sich als Gast verhält. Das fängt damit an, dass man jetzt keinen Müll rumliegen lässt und sonst was. Aber da geht es auch darum, wie man den Leuten hier begegnet und wie man im Lokal bestellt und sich bei der Herbergsmutter verhält und nicht um 4 Uhr in der Früh nackt am Flur rumläuft.

… geheimes und unberührtes Freeride-Terrain im Zillertal:

Felix: Gibt's nur am Arlberg (lacht).

Roman: Wir haben im Sommer davor brutal viel gescoutet, auch mit dem E-Bike, und haben neue Zones und Sachen entdeckt. Am Hauptkamm bei uns und überhaupt in den Alpen gibt’s brutal viel, auch Alaska-Sachen. Das Problem ist das Hinkommen und die Lawinengefahr und dass dann die Straßen gesperrt sind. Aber wenn du motiviert bist, kannst du wochenlang wo sein und niemanden sehen.

… Romans Talent:

Felix: Der Roman hat das Skifahren hier von ganz klein auf gelernt. Er ist direkt am Lift aufgewachsen und hat Vollgas die Rennschule mitgemacht: alle möglichen Kader und Cups, Tiroler Sternepokale und Bambini Race. Er hatte gegen die Neureuthers der Welt bestanden und ist auch noch eine Zeit Skiercross gefahren. Aber dann ist ihm das alles so richtig auf den Sack gegangen.

Roman: Ja, Rennlauf war so bis 15, 16 und dann wär halt österreichischer Nachwuchs gekommen, aber da hab ich dann die Schnauze voll gehabt. Genau um die Zeit zu starten und im Rennanzug dastehen, wenn’s kalt ist. Und genau zu der Zeit sind die ersten Powder-Ski rausgekommen und da hat dann alles so seinen Lauf genommen ...

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