Wenn Träume keine Schäume sind


Mit „Evolution of Dreams“ haben sich Eva Walkner und Jackie Paaso einen weiteren Traum in ihrem Leben erfüllt: einen Film über die eigenen Karrieren und über eine hochalpine Ski-Tour am Eiger. Dass der Weg zum einen wie zum anderen Meilenstein im wahrsten Sinne des Wortes steinig war, bekamen die beiden Top-Athletinnen der Freeride World Tour so richtig zu spüren. Wie die Reise ans Wunschziel verlaufen ist und welche Hindernisse zu bewältigen waren, berichtet die zweifache Weltmeisterin Eva im Interview.


Eva Walkner (li.) und Jackie Passo ließen sich für "Evolution of Dreams" auch nicht von Rückschlägen bremsen und präsentieren einen äußerst stimmungsvollen, persönlichen und spannenden Film. (Foto: Hans-Martin Kudlinski)

Ihr seid bereits 2017 mit einer Kurz-Version von „Evolution of Dreams“ beim Freeride Filmfestival (FFF) dabei gewesen. Durch eine Verletzung von Jackie Paaso mussten die Dreharbeiten verschoben werden. Du hast uns schon damals viel über deine Motivation erzählt (siehe Interview 2017 ). Was ist in der Zwischenzeit alles passiert?

Ich war ja bei Jackies Verletzung direkt dabei und das war schon wieder einmal ein Schlag ins Gesicht. Für Jackie bedeutete das gut zwei Monate Pause. Wir mussten also eine andere Lösung für den Film finden, weil Jackie den halben Winter nicht gemeinsam mit mir filmen konnte. So musste sie etwa bei dem ganzen Block, den wir in Andermatt gedreht hatten, vom Tal bzw. vom Restaurant in der Mittelsation aus zusehen, wie ich die Lines gefahren bin.

Wann seid ihr dann zum Eiger aufgebrochen?

Erst spät im Frühjahr. Wir mussten relativ lange warten, bis wir den Eiger machen konnten, weil Jackie mit ihrem Knie und Sprunggelenk früher einfach nicht ready war. Deshalb waren wir recht spät dran und der extrem heiße Frühling hat uns den Schnee in Rekordzeit weggeschmolzen. Das war schon herausfordernd. Besonders zu schaffen machten uns die Sharks – Steine, die nur von einer dünnen Schneeschicht bedeckt sind. Dazu der Aufstieg von 1700 Höhenmetern mit bis zu 45 Grad - das war für die noch relativ "unfitte" Jackie doch sehr anstrengend.


Mit den zwei WM-Titeln der Freeride World Tour 2015 und 2016 hat Eva ihr absolutes Ausnahmekönnen demonstriert. Im Big-Mountain-Riding erkennt sie aber noch viel Potenzial für ihre Zukunft. (Credit: Evolution of Dreams)

Der Eiger spielt ja im Film nur eine von viele Rollen und wir wollen jetzt auch nicht zu viel ausplaudern. Aber wie hat sich der Abschluss dieses Projekts angefühlt?

Es war so vieles zusammen: Happiness, Freiheit, ein Ziel erreichen, Weiterentwicklung – ein Moment, wo du dir sagst: „Ja, genau deswegen mach ich’s! Am Ende zahlt es sich aus, für seine Träume zu kämpfen.“ Natürlich waren beim gesamten Filmprojekt zwischendurch Momente dabei, wo wir dachten: „Jetzt hauen wir den Hut drauf.“ Aber wir sind immer wieder aufgestanden, haben uns die Krone gerichtet und weitergemacht. Ich will den Eiger auch gar nicht überdramatisieren, sondern mit dem Film aufzeigen, dass wir uns weiterentwickelt haben.

Wie gefährlich war es wirklich am Eiger?

Wir haben uns intensiv mit den Gefahren beschäftigt, vor allem mit der dünnen Schneedecke. Es ist schon ein mulmiges Gefühl, weil die Gefahr groß ist, dass man stürzt, wenn man auf einen Shark kommt – und bei einem 45 Grad steilen Hang geht´s dann ab. Aber man muss sich auf die eigene Erfahrung und die Skills konzentrieren. Ich weiß gut, was ich kann und muss smarte Entscheidungen treffen. Ich stürze mich sicher nicht todessehnsüchtig irgendwo hinunter, dafür ist mir das Leben zu wertvoll und wichtig. Aber es bleibt immer ein Restrisiko durch äußere Einflüsse wie etwa Steinschlag.


Eva kennt ihre Grenzen und Skills genau. Sie will zwar wie hier am Eiger das Limit pushen, aber hat dabei eines klar im Blick: "Der Berg ist immer der Stärkere. Wir sind dort nur geduldet." (Foto: Hans-Martin_Kudlinski)

Was macht den besonderen Reiz dabei aus?

Dass ich persönlich mit einer Aufgabe wachse, zum Beispiel über hohe Cliffs zu springen: Zuerst schaffst du 2 Meter hohe und dann 15 Meter. Da ist eine positive Angst im Sinne von Respekt extrem wichtig, aber wenn ich voll fokussiert bin, schaffte ich das.

Die Schwerpunkte des FFF 2018 sind Frauen-Power und Mountaineering – also genau die Schnittmenge aus „Evolution of Dreams“. Wie wichtig ist euch die Botschaft, dass ihr als Frauen das Projekt realisiert habt?

Jackie und ich sind von der Mentalität her sehr ähnlich. Wir sind Freerider, da zählt es nicht ob weiblich oder männlich. Es geht um geile Cliffs und geile Action. Ich will unseren Film auch gar nicht als Frauenfilm bezeichnen. Wir versuchen, uns an den guten Männern zu orientieren und unser Level in diese Richtung zu pushen. Aber ganz klar wird es immer einen gewissen Unterschied geben, so ehrlich muss man einfach sein. Und natürlich wollen wir auch Mädels motivieren, dass sie sich etwas trauen.

Hast du schon einen Plan, wohin dich dein nächstes Projekt ziehen wird?

Mein absoluter Happy Place ist La Grave in den französischen Alpen. Das ist ein ganz spezieller und magischer Ort für mich. Man fühlt sich irgendwie 30 Jahre zurückversetzt. Es stehen lauter alte Steinhäuser dort und es dreht sich wirklich alles ums Skifahren. Da sieht man am Sport-Shop ein Post-it mit der Aufschrift „Powder Day“ – und er ist deshalb geschlossen. Dort kann ich so richtig aus der Routine aussteigen, entschleunigen und offline sein. Es gibt auch nur eine Gondelbahn mit alten Gondeln und keine präparierten Pisten.

Jetzt Tickets sichern! "Evolution of Dreams" - mit Eva Walkner live vor Ort - ist zu sehen in Innsbruck, Luzern, Zürich, Stuttgart, Berlin, München und Wien.

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