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Roman Rohrmoser: "Schnee ist relativ wichtig"


Roman Rohrmoser hat die Befahrung einer 850 Meter hohen und 50 Grad steilen Eisrinne in den Dolomiten in der neuen Midiafilm-Produktion "Cima Tosa - Stairway to Heaven" verewigt. Für den Zillertaler Freerider ist die Rückkehr in die Welt der Steilhänge aber auch mit schmerzhaften Erinnerungen verbunden.


Foto: Simon Rainer

Roman, was hat dich an Cima Tosa so fasziniert, dass du dich im vergangenen Winter in die 850 Meter hohe und 50 Grad steile Eisrinne gewagt hast?

Der ausschlaggebende Punkt war, dass ich im Zillertal schon wieder einige Steilwände befahren bin, die ich nur von Fotos von Ski-Pionieren gekannt hatte. Dann hat mir ein Kollege ein Foto von der Cima Tosa geschickt. Ich habe mir gedacht: Das schaut schon krass aus. Soll ich es probieren? Im vergangenen Winter haben die äußeren Bedingungen und das Team gepasst und deshalb haben wir das Projekt durchgezogen.

Welche Bedingungen braucht es, um so eine Steileisrinne in Angriff nehmen zu können?

Schnee ist relativ wichtig. Es muss nicht viel sein, aber nur auf blankem Eis könntest du die Rinne nicht befahren. Und der Schnee muss stabil sein, sprich, es darf keine Lawine abgehen. Außerdem darf es im Fels nicht zu warm sein, damit nicht zu viele Steine oder Eis herabfallen. Was mich an der Rinne alleine an den Fotos so fasziniert hat, das war einfach diese Felswand, die quasi senkrecht in den Himmel wächst. Und darin eben dieser Einschnitt, diese Rinne! Du musst in dieser Rinne aufsteigen, dann oben Pause kurz machen und wieder hinunterfahren.

Wie lange hat der Aufstieg gedauert?

Etwa zweieinhalb, drei Stunden. Wenn du oben ankommst, bist du nicht nur gut aufgewärmt, sondern richtig fertig. Ich habe die Anstrengungen brutal in den Beinen gespürt. Du gehst beinahe 1000 Höhenmeter die meiste Zeit recht aufrecht beziehungsweise mit Hilfe der Eispickel. Das spürst du schon ordentlich in den Oberschenkeln. Und während du hinaufgehst, weißt du: Den gleichen Weg musst du auch wieder runter, also solltest du dir noch ein bisschen Kraft aufheben ...

In deinem neuen Film geht es aber nicht nur um den Erfolg in der Cima Tosa, sondern auch um einen Rückblick auf deinen schweren Sturz am Großglockner 2010. Für alle, die sich jetzt nicht mehr an den Film "Made in Austria 2" erinnern können: Was ist damals genau in der Pallavicini-Rinne passiert?

Ich war davor zwei Wochen in Alaska und bin die steilsten Wände befahren. Wir hatten genialen Powder, die Guides haben gesagt, es waren die besten Schnee-Bedingungen seit vielen Jahren. Als ich zurück nach Österreich gekommen bin, habe ich mich unzerstörbar gefühlt. Ich war jung, dumm und vollkommen unvorbereitet. Ich hatte nicht gewusst, was mich am Großglockner tatsächlich erwarten würde. Wir haben uns, was im Nachhinein gesehen ein Fehler war, in die Rinne hinein abgeseilt und dabei schon massiven Steinschlag gehabt. Es ist, ganz blöd gesagt, einfach ums Überleben gegangen. Ich bin losgefahren, die ersten Schwünge noch recht langsam, dann aber immer schneller. Am Blankeis hat es mir die Bindung aufgeschlagen und dann ist es sehr schnell dahin gegangen. Ich bin abgestürzt, ich weiß nicht, wie viele Überschläge es waren. Zum Abschluss habe ich noch 50 Meter im freien Fall zurückgelegt. Dass ich überlebt habe, war nicht selbstverständlich. Ich bin mit oberflächlichen Verletzungen wie einem Oberkiefer-, Jochbein- und Augenhöhlenbruch davongekommen, dazu ein paar Bänderrisse und -dehnungen. Dafür, dass ich 400 Meter abgestürzt bin, waren diese Verletzungen leicht in Kauf zu nehmen.

Dieser Unfall hat dich mental noch eine lange Zeit begleitet.

In den ersten zwei, drei Wintern danach habe ich bei der Linienwahl immer wieder daran gedacht, wo ich abstürzen und was alles passieren könnte. Mittlerweile habe ich den Sturz recht gut verarbeitet, aber dennoch ist es immer noch irgendwo im Hinterkopf.

Warst du danach eigentlich noch einmal in Pallavicini-Rinne? Nein, ich hatte keinen Bock mehr. Meine GoPro und jede Menge anderes Equipment von mir sollten wohl noch irgendwo in der Gegend herumliegen. Auf den Glockner werde ich sicher irgendwann wieder hinaufgehen, aber die Pallavicini wird mich nicht mehr sehen. Vom Skifahrerischen her würde ich es mir zutrauen, aber ich muss mir nichts beweisen. Außerdem will ich das weder meiner Frau noch meiner Tochter antun. Ich muss mein Schicksal nicht noch ein zweites Mal herausfordern.

Woher kommt die Faszination für diese extrem steilen Wände, in denen Menschen eigentlich nichts zu suchen haben?

Es ist eine gute Frage, aber wahrscheinlich suchen wir etwas. Vielleicht ist es ein innerer Trieb, der uns immer wieder bewegt, neues Terrain zu erkunden. Vielleicht versuchen wir, Grenzen zu verschieben. Mein Vater und seine Freunde sind solche Hänge früher schon gefahren und ich habe mir irgendwann gedacht: Das müsste ich wohl auch einmal probieren. Das Material hat solche Geschichten in den vergangenen Jahren natürlich einfacher gemacht. Aber man muss die Grenzen richtig abschätzen. Es bringt dir nix, auf einer Liste von Menschen mit extremen Abfahrten zu stehen, wenn du selber am Friedhof liegst.

Im Nachhinein ist es sicher ein gutes Gefühl, wenn man eine Wand wie die Cima Tosa befahren hat. Aber ganz ehrlich: Hat man im Hang selbst eigentlich Freude am Skifahren?

Klar, wenn du dann unten bist, schießt dir richtig viel Adrenalin ein. Das ist gleiche wie beim Freeriden, wenn du ein fettes Cliff gesprungen oder du eine megefette Line gefahren bist. Du hältst dich für unzerstörbar. Aber wenn es dich hin und wieder g´scheit aufs Maul legt, dann weißt du, dass es anders auch sein kann. In der Rinne bist du hundertprozentig fokussiert, es gibt nur dich, die Ski und die nächsten paar Meter vor dir. Es geht nicht um den Style, sondern nur darum, sicher hinunter zu kommen. Wenn etwas schief geht, tut es richtig weh.

Du bist mittlerweile Vater einer zweijährigen Tochter. Wie hat diese neue Verantwortung deine Herangehensweise an Projekte wie die Cima Tosa verändert?

Mein Beruf ist sicher riskanter als manch andere. Aber ich fahre solche Wände ja nicht aus dem Stegreif heraus, sondern habe mich seit vielen Jahren herangetastet. Ich versuche, das Risiko so weit als möglich zu minimieren und bin nicht nur wegen meiner Tochter sehr froh, wenn ich gesund nach Hause zurück komme. Wenn die Bedingungen nicht so sind wie ich sie haben möchte oder ich ein schlechten Gefühl habe, dann breche ich ab. Früher habe ich eher gesagt: Probieren wir´s halt mal, es wird schon irgendwie funktionieren.

Das hat sicher mit deiner Tochter zu tun, oder?

Natürlich. Andererseits wird man mit den Jahren aber auch klüger. Und vorsichtiger.

Wird der Respekt größer mit den Jahren?

Auf jeden Fall. Wenn ich heute vor so einer Rinne stehe, überlege ich zweimal, ob sie das Risiko wert ist. Und bevor ich losgehe denke ich noch einmal darüber nach und vor dem Wegfahren ein weiteres Mal.

Ist die Angst ein steter Begleiter oder kannst du die am Berg ausklammern?

Ich denke, dass ich vor allem Respekt vor den alpinen Gefahren habe. Aber wenn ich einmal Angst habe beziehungsweise diese Angst zu groß wird, dann weiß ich, dass es nicht dafür steht. Aber der Respekt vor der Naturgewalt Berg ist immer gegeben.


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