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Mitch Tölderer: „Wie in einem Mad Max-Film“


Mitch Tölderer war mit Whiteroom Productions in Kirgistan auf der Suche nach einem weiteren außergewöhnlichen Freeride-Spot. Im folgenden Interview erzählt der Wahl-Tiroler von seinen Erfahrungen in einer der abgelegendsten Gegenden der Welt, von weggesprengten Gletschern und seinem ganz persönlichen Mont Blanc.


Foto: Simon Rainer

Mitch, mit welchen Erwartungen bist du an das Projekt „Searching for Gold“ herangegangen?

Ich wollte ein Projekt in etwas größerer Höhe verwirklichen, nämlich in einer Gletscherregion, die noch dazu sehr kontinental ist. Wir haben viel Schnee erwartet und steile Nordflanken, Eis mit guter Schneeauflage und stabile Bedingungen. Und das ganze in einem interessanten Reiseland, in dem ich zuvor noch nie war. Ich habe ein Abenteuer mit einer super Crew erwartet, einfach einen Trip, den man gerne unternimmt.

Und wie war es tatsächlich? (lacht.) Naja, die Crew war wirklich super und letztendlich war es auch ein Abenteuer, an das man gerne zurückdenkt. Der Schnee war allerdings zumindest zu Beginn nicht ganz so wie erhofft. Und das Gelände der Kumtor-Miene, in dem wir ursprünglich fahren wollten, durften wir nicht betreten. Wir haben aber ein ähnliches Terrain gefunden, also war der Trip sehr spannend.

Du hast schon viele verschiedene abgelegene Gegenden der Welt gesehen. Wo und wie ordnest du diese Reise nach Kirgistan in deinem eigenen Erlebnis-Spektrum ein?

Vom sportlichen her war es schon sehr geil und abgefahren. Niemand sonst ist in diesen 4000ern unterwegs, du hast quasi deinen eigenen Mont Blanc zur Verfügung. Es gibt keine Infrastruktur, keine Locals, aber jede Menge steile Flanken und auch sonst alles, was das Freerider-Herz begehrt. Außerdem waren die Schneebedingungen sehr interessant, denn wir waren unweit des kontinentalsten Flecken der Erde unterwegs, also jenem Ort, der am weitesten von der nächsten Meeresküste entfernt liegt.

Dieser sogenannte „Eurasische Pol der Unzugänglichkeit“ gleich hinter der kirgisischen Grenze in China ist etwa 2400 Kilometer vom Meer entfernt. Wirkt sich dieses Fehlen großer Wassermassen auf den Schnee aus?

Ja, es ist gibt grundsätzlich wenig Niederschlag. Es ist also keine Gegend, in du wegen des reinen Skivergnügens reisen würdest. Alles außerhalb Gletscher ist von den Schneebedingungen her katastrophal. Wir sind im Mai, also der niederschlagreichsten Saison hingefahren, da schneit es dann doch schnell einmal 20 Zentimeter aufs Gletschereis und das bedeutet eine stabile Schneeauflage auf den Eisflanken. Mich hat es tatsächlich an den Mont Blanc im Frühling erinnert, wo du plötzlich steile Flanken befahren kannst, weil der frische, nicht zu kalte Schnee am Eis pickt.

Der Gletscher selbst wird aber zugunsten der Goldmine immer mehr zerstört ...

Wir sind relativ nahe an das Areal herangekommen und konnten die Arbeiten beobachten: Sie sprengen tatsächlich den Gletscher weg, um an das Erdmaterial kommen, in dem sich Gold befindet. Das ist ein riesiges Areal, praktisch eine kleine Stadt, in der 2000 Menschen arbeiten. Die Straße, eine 70 Kilometer lange Schotterpiste auf dem 4000 Meter hoch gelegenen Plateau, gibt es nur wegen dieser Mine. Auf dieser Straße donnern Konvois mit riesigen Kippern dahin, die man eigentlich nur aus Australien kennt. Es wirkt alles so irreal, es sieht ein bisschen wie in den „Mad Max“-Filmen aus. Ansonsten ist es aber unglaublich ruhig, es ist eines der letzten großen Schneeleoparden-Reviere der Welt.

Merkt man diese Bauarbeiten beim Atmen? Ist die Luft sehr verschmutzt?

Nein, das Problem liegt eher im Wasser als in der Luft. Sie verwenden natürlich Chemikalien, um das Gold aus dem Stein zu bekommen und achten darauf, dass dieses Gift nicht austritt. Aber vor einiger Zeit ist ein Lastzug mit diesen Chemikalien von der Fahrbahn abgekommen und in einen Fluss gestürzt. Danach waren die Belastungswerte natürlich massiv, allerdings hat diese Chemikalie eine relativ geringe Halbwertszeit. Es sind viele Fische gestorben, aber der Impact war nicht nachhaltig, weil sich die Chemikalie schnell wieder zersetzt.

Dein Kollege Joi Hoffmann hat erzählt, dass ihr selbst Gold gefunden habt.

Ja, der Fluss ist voll von Mini-Goldplättchen. Und wir haben Steine mit kleinen Goldadern gefunden! Witzig war vor allem, wie wir selbst vor Ort auf das Gold reagiert haben, nämlich voller Freude. Wie kleine Kinder. Am Anfang waren wir noch ziemlich cool, aber als dann der Erste tatsächlich Gold gefunden hat, ist echt Jubel ausgebrochen. Danach sind wir zwei Stunden in diesem Fluss herum gestiegen und haben Gold gesucht; Joi wollte gar nicht mehr aufhören …

Der Film heißt zwar "Searching for Gold", aber eigentlich sucht ihr ja euer eigenes, weißes Gold, nämlich den Schnee, nicht wahr?

Ja, natürlich. Aber für den Film ist die Gegenüberstellung krasser Gegensätze schon spannend. Du hast diese riesige Industrie-Anlage in einer der abgelegensten Berglandschaften, die man sich überhaupt nur vorstellen kann. Und wir haben uns natürlich mit dem Thema "Gold" beschäftigt: Wer benötigt es? Und wofür? Tatsächlich wird Gold vor allem ganz abstrakt als Währungsrückhalt benötigt. Gold ist eigentlich überhaupt nicht essentiell für unser Leben, der größte Teil ist wirklich nur Währungsrücklage. Das ist absurd! Für Medizin oder Industrie braucht es es nicht einmal zehn Prozent des geschürften Goldes! In der Medizin - und ich bin ja Mediziner - gibt es nichts, gar nichts, wofür man Gold wirklich bräuchte. Andererseits: Gold ist einfach wunderschön.


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