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Fabian Lentsch: "Diese Sehnsucht ist in mir drinnen"


Fabian Lentsch liebt das Skifahren und das Reisen. Mit seinem umgebauten Feuerwehrauto war der Tiroler im vergangenen Winter mit Freunden in Griechenland und lernte das Urlaubsparadies von einer ganz neuen Seite kennen, die er nun im Film "Yamas" präsentiert.


Foto: Ruedi Flück

Fabian, siehst du "Yamas" als direkte Fortsetzung von "Snowmads - A Journey Towards Eastern Suns" (2016) oder eher als eigenständigen Film?

Es ist das gleiche Prinzip, aber ein eigener Film. Ich bin wieder mit meinem umgebauten Feuerwehr-Truck und ein paar Freunden dem Schnee hinterhergefahren. "Yamas" war aber, zugegeben, ein relativ planloser Trip. Wir wollten eigentlich durch die Alpen fahren, aber da war kein Schnee. Die Wetterkarten für Griechenland haben aber recht vielversprechend ausgesehen - also haben wir kurz nach Silverster spontan eine Fähre von Venedig nach Patra gebucht und Griechenland auf den Kopf gestellt.

Mit welchen Erwartungen bist nach Griechenland gefahren?

Die einzigen Bilder, die ich im Kopf hatten, waren die blau-weiße Fahne, Sandstrände und das Meer. Aber Skifahren? Das wollte ich mir mit eigenen Augen ansehen. Dass es so cool werden würde, hätte ich mir nicht vorstellen können. Wir haben richtig fette Big-Mountain-Lines erwischt! Wir waren zwei Monate unterwegs, auch in Touristengebieten, wo im Sommer ein Liegestuhl neben dem anderen steht. Als wir dort waren, war nichts davon zu sehen, die Restaurants waren größtenteils zugesperrt. Es war ganz andere als man es aus dem Sommer kennt.

Ist Griechenland ein Hoffnungsmarkt für Freerider?

Auf jeden Fall. Es kennt ja niemand die Gegend im Winter, dabei haben sie dort ziemlich große Skigebiete und viele coole Abfahrten. In den zwei Monaten konnten wir nur einen Bruchteil sehen. Aber Griechenland hat auf jeden Fall Potenzial.

Ihr seid am Olymp, dem "Berg der Götter", Ski gefahren. Wie war es dort?

Es ist ein mächtiger Berg, auf dem du riesige Felswände queren musst. Im Norden hat er drei Rinnen, alles ist verfelst und du kommst nirgends g´scheit runter. Es ist aber ein genialer Aufstieg, bis du auf 2800 Meter stehst und das Meer unter dir siehst. Du kannst dir da oben schon vorstellen, was es früher mit all den Göttersagen auf sich hatte.

Ihr wart auch auf Kreta. Wie hast du diese bekannte Urlaubsinsel im Winter erlebt?

Auf Kreta gibt es kein offizielles Skigebiet, wir sind einfach aufs Blaue hingefahren. Es ist ja nur eine kleine Insel im Mittelmeer und deshalb brutal wetteranfällig. Skifahrerisch haben wir es nie so richtig erwischt. Es war zwar viel Schnee, aber wir sind immer im Nebel gestanden. Sobald die Sonne auf den Berg kommt, bilden sich Wolken. Zum Surfen geht es aber auf jeden Fall super. Eigentlich haben wir Kreta als kleinen Zwischenurlaub gesehen.

Auf Kreta gab es eine brenzlige Situation: Ihr wärt mit dem Truck beinahe abgestürzt ...

Wir waren auf einem Südhang unterwegs, nur ich und der Filmer sind vorne in der Fahrerkabine gesessen, der Rest der Jungs hat hinten im Truck geschlafen. Ich habe mir vor der Kurve noch gedacht: Eigentlich müssten jetzt alle kurz aussteigen, dann würden wir diesen halben Meter Schnee wegschaufeln. Die Straße war zwar breit genug, aber ich hatte vergessen, dass es tagsüber warm gewesen war und der Untergrund deshalb weich geworden war. Und der Truck wiegt doch seine elf Tonnen. Plötzlich ist mir der linke Hinterreifen weggerutscht und der Wagen ist schief drinnen gehangen. Und zwar so schief, dass ich später immer, wenn ich wieder in die Fahrerkabine einsteigen wollte, wie in einer Kletterwand hineinbouldern musste. Der Abhang war zwar steil, aber ein paar Bäume hätten den Wagen nach einem Überschlag im Fall eines Absturzes schon aufgehalten. Ein Totalschaden wäre es trotzdem gewesen.

2016 warst du mit dem Truck im Iran unterwegs und hast dabei sehr viele Erfahrungen gesammelt. Was hast du deshalb in Griechenland anders gemacht?

Es hat sich nicht viel geändert. Aber das Projekt im ersten Jahr war sehr groß und es gab sehr viel Vorbereitung. Diesmal habe ich gesagt: Lasst uns einfach zwei Monate herumfahren. Und auch wenn es komisch klingt: Wir hatten zwar keinen Plan, aber es war perfekt. Wir hatten keine Erwartungen und mussten auch keine riesengroßen Ziele erreichen. Es waren coole Leute im Truck und wir wollten einfach schauen, was passiert. Das ist ziemlich gut aufgegangen.

Wieviele Kilometer hat der Truck mittlerweile schon abgespult? Das wissen wir leider nicht, weil die Kilometerstandsanzeige nicht mehr funktioniert.

Du erzählst im Film von diesem Glücksgefühl, das du beim Skifahren verspürst. Du vergisst alle Probleme und Sorgen um dich herum ...

In unserer Gesellschaft ist doch normalerweise alles irgendwie verschleiert, niemand sagt, was er wirklich denkt. Beim Skifahren sind die Gefühle ehrlich und echt. Es gibt in diesen Momenten nichts anderes, du bist komplett in deiner Zone. Kein Handy bimmelt, niemand schreit herum. Wenn ich Ski fahre, bin ich in einem Zustand unendlicher Freiheit. Dieses Gefühl kann ich aber auch finden, wenn ich besondere Menschen treffe und spannende Gespräche führe. Es gibt Situationen, in denen alles andere nicht mehr wichtig ist.

Suchst du diese besonderern Momente und Situationen bewusst auf deinen Reisen? Dieses Wegkommen vom Alltag?

Nicht bewusst. Aber diese Sehnsucht ist in mir drinnen, glaube ich.

Dein Vater hat dich in Griechenland besucht und ist mit dir am Olymp Skifahren gewesen. Ist diese Suche nach dem Freiheitsgefühl bei euch eine Familientradition?

Ich habe das lange nicht deuten können, denn für mich war diese Stimmung ganz normal. Mein Papa hat diese Suche nach neuen Abenteuern immer ganz natürlich vorgelebt. Erst, als ich Skiprofi geworden bin, musste ich mich genauer damit auseinander setzen, denn plötzlich wollten Menschen von mir wissen: Warum fährst du Ski?

Hast du für dich eine Antwort gefunden, warum du so gerne Ski fährst?

Es drängt mich einfach dazu! Ich war im Sommer zum Beispiel zwei Monate im Iran und habe vor allem sehr viel Zeit in Teheran verbracht, weil ich die Sprache lernen wollte. Aber nach einer gewissen Zeit hatte ich wieder dieses Gefühl, ich muss zurück in die Berge. Also bin ich ein paar Viertausender abgegangen. Warum ich das gemacht habe? Weil es sich richtig angefühlt hat. Ich habe das Gefühl, dass du den Bezug zu deiner wahren Natur verlierst, wenn du in einer Stadt wohnst. Das hat ja nichts mit der ursprünglichen Lebensgrundlage des Menschen zu tun, dass du in einer Wohnung lebst, die Tür öffnest und auf Asphalt steigst. Ich glaube, dass jeder Mensch diesen Abenteuertrieb in sich trägt. Jeder! Das ist unser Instinkt. Aber wir haben uns von diesem Instinkt entfremdet und checken das gar nicht. Deshalb sind vielleicht auch so viele Menschen so unglücklich. Ich ertappe mich selbst oft dabei, wie ich irgendwo in den Bergen stehe und einfach vor mich hingrinse. Das finde ich cool.

Das Leben ist ja eine Reise. Wo bist du gefühlsmäßig schon auf deiner persönlichen Lebensreise?

Schon ziemlich weit. Seit ich 15, 16 bin, tue ich im Prinzip nur noch das, was ich für richtig halte. Ich lasse mir selten etwas sagen und das kann natürlich auch negative Auswirkungen haben. Es hat sich im Lauf der Jahre aber einiges geändert. Damals habe ich genau gewusst, was ich will. Skifahren war alles für mich, alles andere war komplett uninteressant. Mittlerweile habe ich aber eine Phase hinter mir, in der ich ein wenig orientierungslos war. Ich habe gemerkt, dass mich das Skifahren alleine nicht mehr glücklich macht. Also habe ich mir überlegt, was nicht passt. Das Skifahren hat mir eh noch getaugt, aber nur Skifahren war nicht genug. Heute merke ich speziell dann, wenn ich ohne Projekt unterwegs bin, dass ich mich in eine neue Richtung entwickle - gerade in den beiden Monaten im Iran, wo gar nichts mitgefilmt wurde. Ich habe eine Zeit lang mit Nomaden gelebt und war einfach nur auf Reisen! Das möchte ich in Zukunft verstärkt machen und mit dem Skifahren verbinden.


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