Johannes Hoffmann: Gold gesucht, Neuland entdeckt


Johannes "Joi" Hoffmann ist nicht nur CEO von Whiteroom Productions, sondern in „Searching for Gold“ als Skifahrer auch vor der Kamera zu sehen. Wie er auf Kirgistan als Destination für seine neue Produktion gekommen ist, was Google Maps damit zu tun hat und ob er tatsächlich Gold gefunden hat, erklärt der 30-jährige Innsbrucker im folgenden Interview.


Foto: Simon Rainer

Johannes, wie hat eure Suche nach Gold begonnen?

Eigentlich wollten wir nach China, haben für die gewünschte Region aber keine Erlaubnis bekommen. In Kirgistan war ich vor sechs Jahren bereits einmal und wusste, dass es dort riesige Berge mit lässigen Freeride-Möglichkeiten gibt. Außerdem suche ich auf Google Earth leidenschaftlich gerne nach potenziellen Skigebieten und bin dabei eines Tages auf dieses riesige schwarze Loch inmitten des ansonsten weißen Gletschers gestoßen. Es handelt sich dabei um die Kumtor-Goldmine und man kann schon auf den Sateliten-Aufnahmen erkennen, dass diese supersteilen Eisflanken wie gemacht sind für´s Freeriden!

Aber man benötigt sicher jede Menge Genehmigungen, um am Minengelände zu filmen?

Ich habe herausgefunden, dass im Sommer bereits einmal Bergsteiger das Tian-Shan-Gebirge ohne Bewilligung durchquert haben. Vier Tage vor unserer Abreise habe ich aber von einer Expedition gelesen, die doch eine Genehmigung für die Minenregion gebraucht hatte. Dadurch haben wir ein bisschen Stress bekommen: Vielleicht sollten wir die Leute von der Mine doch einmal kontaktieren! Ihre Antwort war: Es gibt schon auf der Straße zur Mine immer wieder Checkpoints. Wir sind trotzdem losgeflogen und haben von Kirgistan aus immer wieder telefonisch versucht, die notwendige Erlaubnis zu bekommen. Tatsächlich gab es zwar keine Checkpoints auf der Strecke, deshalb sind wir bis ans Eingangstor der Mine gekommen - durchgelassen haben sie uns allerdings nicht. Also mussten wir uns einen Weg außen herum suchen und das bedeutet, dass es sehr weit zu gehen war. Aber letztendlich hat alles sehr gut geklappt.

Was für dich als Produzent das Spannendste am Filmen?

Das Spannendste war sicher, dass unser geplanter Hauptfilmer zwei Tage vor dem Abflug abgesagt hat. Fabian Lentsch, der mit Mitch Tölderer, Michael Trojer und mir zu Crew gehört hat, hat aber eine befreundete Filmerin, Julia Brunner, angerufen und sie gefragt, ob sie nicht übermorgen mit uns für zwei Wochen nach Kirgistan fliegen möchte. Und sie hat gesagt: Ja, passt, mache ich. Ich selbst habe nur noch die Zweitkamera bedient und die Drohne geflogen. Ich war sehr überrascht, dass sie auf 4700 Metern auch bei starkem Wind noch genauso gut fliegt wie unten im Tal. Es sind richtig gute Aufnahmen mit der Drohnenkamera entstanden.

Auf welche Story dürfen sich die Zuschauer bei "Searching for Gold" freuen? Kumtor ist die zweithöchst gelegene offene Goldmine der Welt und liegt in einem vergletscherten Gebiet. Das ist natürlich ein zweischneidiges Schwert: Einerseits ist diese Wunde im Gletschergebiet es ein riesiger Eingriff in die Natur, anderseits ist die Mine der größten Arbeitgeber des Landes. Die zweite Story-Line handelt vom Entdecken neuer Berge und da gibt es einiges zu erzählen über Schneebedingungen, das Wetter, Blitzschläge und vieles mehr. Es ist in dieser Gegend jedenfalls nie langweilig.

Habt ihr tatsächlich Gold gefunden?

Als wir angekommen sind, haben wir nicht nur Verpflegung für den Trip organisiert. Ich habe auch darauf bestanden, ein Nudelsieb zu kaufen! Ich wollte unbedingt in einem Bach in der Nähe der Mine nach Gold suchen. Meine Kollegen haben mich ausgelacht. Aber als wir dort waren, haben wir im Sand eines Baches herumzusuchen und haben sofort erstaunlich viel Gold gefunden. Es sind zwar nur ganz kleine Teilchen, aber der ganze Fluss ist voll davon.

Ihr hättet euch den Film also diesmal auch ohne Sponsorenhilfe finanzieren können? Da hätten wir wohl etwas länger in diesem Bach herumsuchen müssen ...

In den vergangenen Jahren haben diverse Entwicklungen das Filmen entscheidend verändert, die Drohne zum Beispiel ersetzt den Einsatz eines deutlich teureren Helikopters. Google Maps scheint ebenfalls eine riesige Erleichterung zu sein, oder? Immerhin kannst du in der warmen Stube recherchieren, wohin sich eine Expedition überhaupt lohnt.

Jein. Google Maps ist ein gutes Tool, um erste Informationen einzuholen. Ich habe Geografie studiert und weiß, dass man sich auch sehr stark über die Klimagegebenheiten informieren muss. Es ist zum Beispiel nicht ratsam, im Jänner oder Februar nach Kirgistan zu fahren, wenn es unglaublich kalt ist, aber nicht viel schneit. Ich habe mir sehr viele Klimatabellen angeschaut und herausgefunden, dass es mit dem Niederschlag erst Ende April so richtig losgeht und es dann erst den notwendigen wärmeren Schnee gibt, auf dem man die steileren Hänge befahren kann.

Gibt es Locals, von denen ihr euch wertvolle Tips holen konntet?

Nein. Wir konnetn wirklich Neuland für uns entdecken! Auf den Bergen, auf denen wir unterwegs waren, ist niemand zuvor mit Skiern oder Snowboard gefahren, das kann ich mit hundertprozentiger Sicherheit garantieren. Und das macht es spannend! Du kannst tatsächlich an die Grenzen des bisher Bekannten gehen und neue Eindrücke sammeln. Wie sieht es in dieser Gegend mit dem Schnee aus, kann ich dort Skifahren und vor allem: Wie komme ich dort überhaupt hin? Welche Möglichkeiten habe ich? Das ist viel Arbeit, macht aber auch den Reiz so eines Abenteuers aus.


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