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Lorraine Huber: "Ich brauche das Gefühl der Freiheit"


Die regierende Freeride-Weltmeisterin Lorraine Huber nimmt sich in der neuen Hanno-Mackowitz-Produktion "Struktur" bewusst zurück, um den Blick auf ein anderes Thema freizugeben: den Einfluss des Menschen auf die Kulturlandschaft.

Fotos: Hanno Mackowitz

Lorraine, welche Botschaft will "Struktur", der neue Film von Hanno Mackowitz, vermitteln?

Eine Aussage per se gibt es in dem Film eigentlich nicht. Wir präsentieren einfach die Kulturlandschaften am Berg am Beispiel des Arlbergs. Die meisten Freeride-Filme zeigen ja die unberührte, komplett naturbelassene Landschaft. Aber die gibt es eigentlich nicht. Wir bewegen uns in einem Raum, in dem die Landschaft dauerhaft vom Menschen geprägt worden ist.

In "Struktur" geht es nicht um sportliche Höchstleistungen. Wie fühlt man sich vor der Kamera, wenn man als Weltmeisterin lediglich den Anweisungen des Regisseurs Folge leistet und nicht sein ganzes Potenzial ausschöpfen darf?

Mir war von Anfang an klar, dass es in "Struktur" nicht um sportliche Leistungen geht. Das war für mein Ego anfangs vielleicht nicht ganz einfach, aber es war eine bewusste Entscheidung: Ich trete einen Schritt zurück und schaffe dadurch Raum für etwas anderes, nämlich für die Kulturlandschaft. Ich habe nicht das Bedürfnis nur zu zeigen, wie toll ich Skifahren kann. Mir ist es ein Anliegen, zusätzlich einen tieferen Sinn zu vermitteln. Ich hoffe, dass uns das mit "Struktur" gelungen ist.

Du fährst seit 35 Jahren am Arlberg Ski und hast miterlebt, wie dieses weltberühmte Skigebiet ständig verbessert und vergrössert wird. Im Zuge dieses Filmprojektes kamen sicher auch Fragen der Sinnhaftigkeit in dir auf.

Ich nutze diese Strukturen als Freeriderin selbst ja sehr intensiv. Ich nutze die Liftanlagen, ich nutze die Straßen. Aber ich frage mich immer wieder: Wie viele dieser Strukturen benötigen wir tatsächlich? Was macht Sinn? Ich glaube, dass vor allem diese Frage nach der Sinnhaftigkeit sehr wichtig ist. Vor allem, wenn man überlegt: Soll man weitere Gebiete in den Bergen erschließen? Kriterien wie "Wir brauchen mehr Lifte und Pistenkilometer in den Angaben der Werbebroschüren, damit mehr Leute zu uns auf Urlaub kommen" wären für mich persönlich nicht ausreichend. Ich glaube, dass der Gast, der auf den Arlberg kommt, die Qualität schätzt - und nicht, wie viele Lifte wir haben. Immer nur mehr und mehr zu wollen, das reicht mir nicht.

Wenn die Kapazitäten der Liftanlagen wachsen und immer mehr Menschen gleichzeitig auf die Pisten gelangen, wie definiert man dann die Grenzen des Zumutbaren für Natur und Sportler?

Bei uns am Arlberg haben wir ab 14.000 Tageskarten einen Stopp. Das hat natürlich den Sinn, den überfüllten Pisten entgegen zu wirken. Ich muss aber sagen, dass ich sehr gerne im Gelände fahre, weil ich den Menschenmassen entkommen möchte. Ich bin Freeriderin, weil ich tatsächlich den Berg und die Natur im Gelände besser spüren kann. Ich brauche das Gefühl der Freiheit. Diese überfüllten Pisten sind für mich der Horror.

Aber wenn jetzt der Strom an Freeridern immer weiter anwächst, dann wird es im Gelände ja auch enger. Wo gehst du dann hin?

Ja, dieses Phänomen gibt es bereits bei den Guides oben am Arlberg: Man muss immer weiter hinaus, immer weiter weg von den klassischen Abfahrten. Wenn es heute frischen Powder hat, dann meiden wir den Schindler bereits wie die Pest. Da sind viel zu viele Leute unterwegs. Ich uns meine Freunde, wir haben zum Glück das Insiderwissen und können ausweichen. Man braucht aber sehr gute Ortskenntnisse, um am Berg seine Ruhe zu haben. Der Arlberg ist riesig, aber der Aufwand wird immer größer, wenn man den Massen entkommen will.

Oder man senkt seine Ansprüche ...

Ich muss nicht immer im unberührten Powder fahren. Mein Anspruch ist eher, dass es lustig sein soll, herausforderndes Gelände zu fahren. Ich mag steileres Gelände, wo ich springen kann - aber ob das jetzt verspurt ist oder nicht, ist für mich nicht das wichtigste Kriterium.

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