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Heini Schneeflöckli, der König vom Titlis


Der Luzerner Heini Giesker (68) ist die auffälligste Figur am Titlis: Freerider, Freigeist, Abenteurer. Stets ist der Mann in Weiss guter Laune. Weil er die weisse Schneewelt über alles liebt. Was er in einem Video erklärt. Kult!


„Ich will sein, den Moment leben, den Schnee geniessen!“ Heini Giesker mit seinem Fisch-Ski auf dem Titlis. Foto: Mathias Haehl

8.00 Uhr, erste Bahn ab Engelberg - auf geht's! Wer einen Tag mit Heini Giesker verbringen will, muss sich warm anziehen. Und man sieht ihn auf den Pisten kaum: Meist ist der Einzelgänger abseits zu finden, zwischen Steinberg, Laub und Sulz, wie die anspruchsvollsten Freeride-Strecken Engelbergs heißen. Zudem ist er schnell unterwegs; seine Skis heissen Fisch, Hotrod („frisiertes Auto“) oder Dobermann. Und die schillerndste Figur im großen Weiss am Berg trägt, wen wunderts, Weiss. Heini: "Wer die Natur ehrt, passt sich ihr an." Die Titlis-Bähnler nennen ihn liebevoll "Schneeflöckli", diesen weissen Wirbelwind auf Ski, der viele Tage in der achtmonatigen Wintersaison am Berg verbringt. Hundert? - "Vermutlich ein paar Dutzend mehr", lacht Heini und seine von der Sonne leicht getrübten Augen blitzen.

Naturbursche Heini ist ein Naturbursche: Haut gegerbt, Haar vom Fahrtwind zerzaust - und sein Outfit vom exzessiven Gebrauch gezeichnet. Die weisse Jacke, meist um den ranken Bauch gebunden, hat er mit Klebstreifen geflickt, den Pullover eigenhändig gestopft. Ein Halstuch gibt ihm die Gutmütigkeit eines Bernhardiners. Schein? - Das interessiert den einstigen Modemann nicht mehr. „Ich will sein, den Moment leben, den Schnee geniessen!“

Obwohl, einst war Schein Teil seines Lebens. Heini Giesker hat modische Trendsetter glücklich gemacht, nachdem er als Mitbegründer der Modelinie Blondino in den Achtzigern und Neunziger Jahren eine Erfolgsgeschichte schrieb: Rund 50 Angestellte hatten sie, ein Dutzend Boutiquen in der ganzen Schweiz. Heini bediente auch Prominente, weil er schicke Teile verkaufte: Soraya, die Königin von Persien, Herbert Grönemeyer, Hildegard Knef und viele mehr. Gianna Nannini wollte unbedingt bei ihm Ski fahren lernen. Teilweise kannte er diese berühmten Kunden gar nicht. So what! Heini ist Status unwichtig. Im Gegenteil: Er verachtet Leute, die sich auf Besitz etwas einbilden. Er bewundert die Bescheidenen. „Des Menschen Gier ist ungut“, sagt er. Darüber macht sich Heini Sorgen: Der Egoismus grassiere, wir nützten die Welt und ihre Ressourcen aus, die Natur gehe kaputt. Traurig findet der im Bramberg aufgewachsene Ästhet, dass immer mehr historische Bausubstanz verloren gehe. „Das Schloss Bramberg beispielsweise musste einem hässlichen Wohnsilo weichen.“ Oder regt sich auf, dass überall in den Städten Esswaren herumliegen. „Eine Schande!“ Er nimmt sie mit und füttert am Quai die Mäuse. Und ist fasziniert, wie die Mäusemutter den Kleinen das Klettern beibringt. „Das Leben ist voller Wunder!“ Heini strahlt, wenn er leidenschaftlich erzählt.

Anders als die anderen Neugierig ist Heini Giesker. Er ist anders als die anderen: positiv, jovial, extrovertiert; stets für einen Schwatz oder Scherz zu haben, ob mit aufgeschlossenen Chinesinnen, dem knorrigen Pistenpersonal oder gwundrigen Skifahrern. Es sei denn, es habe frischen Pulverschnee - das höchste der Gefühle, nicht nur für Pistencrack Heini. Schnee mache ihn glücklich und demütig: „Er ist das Reinste!“ Über das totale Freiheitsgefühl im Schnee philosophiert er im siebenminütigen Imagevideo des US-amerikanischen Skiherstellers dps. Titel: „Snowflake“ – Schneeflöckli. Nicht zu verpassen, weil authentisch und höchst unprätentiös in einer oft doch selbstherrlichen Freerider-Szene! Da wird schnell klar, wieso für Heini ein guter Tag ein Tag im Pulverschnee ist.

Leidenschaften in Natur Wobei, nicht jeder Tag kann ein solcher sein. Denn ein paarmal im Monat hilft Heini trotz Rentenalter im Züricher Hudson-Laden aus. Berät, verkauft Freizeitmode – und träumt von seinen anderen Leidenschaften in der Natur. Die da sind: Fischen, Wandern, Strahlen oder Pilzesammeln - über allem steht das Skifahren. "Oft ist es wie das erste Mal." Kein Wunder, sieht man ihn nie in den Restaurants, ja kaum einmal auf der Toilette. Heini will immer fahren, gleiten, über die Hänge und Wächten fliegen. Sein Tag endet, nachdem der Pistendienst die Überhöckler eingeholt hat. Dann liegt Heini irgendwo auf einer Krete in der Abendsonne und geniesst die Sonnenwärme nach einem coolen Tag. Oder steigt kess noch auf den Gipfel. Dann hat er aber plötzlich genug erzählt – jetzt will er wieder auf seinem Fisch gleiten. Er breitet die Arme aus, fliegt wie ein Engel übers grosse Weiss. Und erinnert an Leonardo DiCaprio aus „Titanic“, der im grössten Moment dieses Filmmonuments an der Reling steht und schreit: „Ich bin der König der Welt!“ Heini muss nicht schreien. Der wilde Rentner ist der König vom Titlis.


Video: 7,20 min; The Shadow Campaign // Snowflake by DPS Skis

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